Stärken im Verborgenen: Wie deine Schwächen Sympathie wecken

Für deine letzte Bewerbung hast du dich so richtig ins Zeug gelegt und wurdest sogar zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Alles lief wie am Schnürchen – bis zur Frage zu den Schwächen. Du wurdest nervös und hast ein paar Satzanfängen gestottert, während sich in deinem Kopf zwei Möglichkeiten herauskristallisiert haben: 1. Ehrlichkeit oder 2. einen auf Superheld:in machen. Erfahre in diesem Artikel, wie du dich in Zukunft auf diese Frage solide vorbereiten kannst, sodass du dem Personalverantwortlichen selbstbewusst ins Gesicht sehen kannst, während du von den Dingen erzählst, die dir weniger liegen. Und mal ehrlich: Die hat jede:r.

Wie deine Schwächen Sympathie wecken

Kategorie | Lesedauer: 3 min | veröffentlicht am 06. Oktober 2023
Zielgruppe: Bewerber:innen
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Sympathische Schwächen

Ist dir das auch schon mal passiert: Du bekommst eine Absage auf eine tolle Stelle, weil zu offen mit deinen Schwächen warst?

Offenherzig hast du erzählt, dass du Weltmeister:in im Prokrastinieren bist, dass du montags eine richtige Zicke sein kannst und dass dir Pünktlichkeit in etwa so wichtig ist, wie wenn in China ein Fahrrad umfällt. Und tatsächlich – so tief solltest du nicht gehen.
Allerdings ist es nicht ratsam, zu behaupten, dass du keine Schwächen hast.

Das wird dir niemand abnehmen. Auch im Berufsleben soll es nämlich menscheln. Und Menschen haben nun mal Schwächen. Und genau deswegen transportierst du mit der Behauptung, unfehlbar zu sein, die Tatsache, dass du absolut nicht selbstreflektiert bist. 
Es gibt ein Dazwischen.

Du musst weder einen Seelenstriptease hinlegen, noch künstlich sein. Lerne in diesem Artikel sympathische Schwächen kennen und finde dich selbst darin wieder.

Der Wolf im Schafspelz

Es gibt unter Personaler:innen einen neuen Trend. Um den Gähn-Faktor von Bewerbungsgesprächen, die immer nach Schema F ablaufen, zu senken, tarnen Personalverantwortliche gerne besonders die Frage nach den Schwächen.

Anstatt ganz direkt danach zu fragen, schleichen sie um die Frage und tasten sich von hinten an. Achtung: Wenn du nicht aufmerksam bist, schnappt die Falle zu.

Das Spektrum an Möglichkeiten, deine Schwächen auszugraben, reicht von:

  • „Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?“
  • „Was könnte ein potentieller Kunde an Ihnen kritisieren?“
  • „Was hat ihre Kollegen im alten Job am meisten an Ihnen gestört?“

Damit du souverän durch solche getarnten Fragen navigieren kannst, musst du hellwach sein und schnell reagieren. Denn: Ganz egal, wie die Frage formuliert ist, deine Schwächen bleiben im Grunde die gleichen. Hier gilt es, den Wolf im Schafspelz schnell zu entlarven und ihn dann wie einen Wolf zu behandeln. 

DOs und DON‘Ts

Wirf einen Blick auf die DOs und DON’Ts der Schwächen im Bewerbungsgespräch und gewinne Sicherheit darin, zu deinen Schwächen zu stehen und sie zu formulieren.


DOs

  • „Ich hab noch nicht viel Berufserfahrung.“
  • „Ich bin etwas chaotisch.“
  • „Manchmal bin ich zu direkt.“
  • „Ich hab ein ziemlich schlechtes Namensgedächtnis.“
  • „Mein Lebenslauf hat eine Lücke.“
  • „Manchmal bin ich zu gutmütig.“
  • „Ich bin nicht gerade ein Organisationstalent.“
  • „Ich kann etwas zurückhaltend sein.“
  • „Vor Publikum werde ich nervös.“
  • „Ich telefoniere nicht besonders gern.“
  • „Manchmal bin ich etwas vergesslich.“
  • „Es kommt vor, dass ich zu wenig Durchsetzungsvermöge habe.“

Oberste Credo bei der Frage nach den Schwächen ist, dass du authentisch bleibst. Erfinde also nichts, sondern versuch, ehrlich zu dir selbst und dann zum Personalverantwortlichen zu sein. Überleg dir, welche sympathische Schwäche dir wirklich eigen ist. Du kannst die Liste selbstverständlich fortsetzen. Achte nur darauf, dass du nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plauderst.

Sei dir außerdem bewusst, dass es zu einer Absage führen kann, wenn du eine Schwäche nennst, die für die angestrebte Stelle ein Problem sein könnte.

Ein Negativbeispiel für dich:

  • Du bewirbst dich in einem Callcenter? – Dann wäre es wohl keine gute Idee, als Schwäche anzugeben, dass du ungern telefonierst. 

Ein guter Tipp für dich:

Verbinde im Gespräch die Schwächen gleich mit einer zukunftsweisenden Perspektive.

  • Was unternimmst du dagegen?
  • Wie gleichst du dein kleines Defizit im Alltag aktiv aus?

So sehen Personalverantwortliche, dass du lösungsorientiert und selbstreflektiert bist und das gibt garantiert Sympathiepunkte.

Außerdem kannst du deine Schwächen rhetorisch entschärfen. Verwende Wörter wie manchmal oder etwas, um ihnen Gewicht zu nehmen. Zum Beispiel:

  • „Ich bin manchmal zu direkt.“
  • „Ich bin etwas chaotisch.“ 

Nenne im Vorstellungsgespräch nicht mehr als zwei Schwächen. Wenn du auch über Lösungsansätze und Gründe sprichst, reicht das völlig aus und das Gespräch darf wieder auf deine Stärken umschwenken.


DON‘Ts

Nun weißt du, welche sympathischen Schwächen du im Bewerbungsgespräch nennen kannst. Soweit, so gut. Um einem Fettnäpfchen vorzubeugen, werfen wir auch noch einen Blick darauf, WIE ES NICHT GEHT.

Vermeide es tunlichst, im Bewerbungsgespräch folgende Schwächen zu nennen:

  • „Ich bin unglaublich perfektionistisch.“
  • „Ich bin ungeduldig. Bei mir muss es einfach schnell gehen.“
  • „Ich arbeite viel zu viel. Ich bin ein Workaholic.“
  • „Ich bin zu ehrgeizig.“
  • „Eiscreme.“

Warum geht das nicht? 

Wir haben doch alle mindestens fünfmal diesen Rat gehört: Mach einfach deine Stärken zu Schwächen und schon hast du den Job!

Mit Verlaub – du wirkst nicht authentisch, wenn du solche auswendig gelernten Floskeln herunterbetest. Versuch auf keinen Fall, mit Gewalt witzig sein zu wollen. „Eiscreme“ ist keine gute Antwort auf die Frage nach deinen Schwächen.

Ein Bewerbungsgespräch ist eine ernsthafte Situation und du willst ja auch ernsthaft die Stelle haben. Bleib also seriös. Zu behaupten, du hättest keine Schwächen, ist entweder gelogen oder schlichtweg arrogant. Vermeide dieses Fettnäpfchen auf jeden Fall und bleib ein Mensch, den man greifen kann.


Wir fassen zusammen

Die Frage nach den Schwächen kommt mit ziemlicher Sicherheit in dieser oder jener Form im Bewerbungsgespräch. Je besser du darauf vorbereitet bist, desto selbstsicherer fällt die Antwort aus. Finde mindestens eine, höchstens zwei sympathische Schwächen, die wirklich auf dich zutreffen. Bau eine Geschichte rundherum: Wieso hast du diese Schwäche und was tust du, um in Harmonie zu bleiben? Wenn du dich ehrlich und selbstreflektiert gibst, erhöhst du deine Jobchancen.
 

 

Maria Schätzer, BA

Nach ausgedehnten Weltreisen und einer Yogaausbildung in Indien habe ich mit Mitte 20 mein Germanistik-Studium abgeschlossen und hatte einen Traum: das Schreiben zum Beruf zu machen. Mit den Jahren wuchsen meine selbstständigen Projekte, während ich mein Angestelltendasein immer weiter zurückschrauben konnte.

Heute arbeite ich vollkommen selbstständig als Yogalehrerin und Autorin. Ich setze Biografien für Klienten um, schreibe Werbetexte und blogge. Diese Tätigkeiten erlauben es mir, weitestgehend ortsunabhängig zu arbeiten. Immer wieder reise ich mit meinem Notebook und hole mir weltweit Inspiration und Input für meine Texte.

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