Perfektionismus im Beruf

Perfektionismus ist laut dem Duden „das übertriebene Streben nach Perfektion“. Das Wort wird meist abwertend gebraucht. Doch warum ist dem so? Perfektionismus hört sich doch erstmal nicht so schlecht an, oder? Ist doch gut, wenn sich ein Zahnarzt nur dann zufrieden gibt, wenn er einen kaputten Zahn perfekt behandelt hat, stimmts? Oder man denke an den Kunstbereich: Es geht um Auszeichnungen und Anerkennung und Wettbewerbe stehen an der Tagesordnung. Da ist dieser Ehrgeiz doch hilfreich, um sich gegen Konkurrenz durchzusetzen. Oder etwa nicht?

Perfektionismus im Beruf

Das steckt hinter der Sorgfältigkeit

Nun, ja. Schon. Doch Perfektionismus ist trotzdem nicht unbedingt eine gute Eigenschaft. Eine Detailbesessenheit kann für einen Menschen sogar gefährlich werden und zwar dann, wenn unser Selbstwertgefühl davon abhängig wird, ob wir erfolgreich sind oder nicht bzw. ob wir Fehler machen. Dann wird aus dem gutem oder funktionalen Perfektionismus, der uns weiterbringt, ein schlechter oder dysfunktionaler Perfektionismus. Bei diesem möchten sich Betroffene vor Kritik, Fehlern und Ablehnung schützen und ihren Wunsch nach Beachtung erfüllen. Geprägt ist dieser vor allem von Versagensängsten und er kann von neurotischem und ängstlichen Vermeidungsverhalten begleitet sein. Und vor allem wird jetzt, wie schon oben erwähnt, der eigene Wert vom Erfolg abhängig gemacht.

Für die Karriere kann es sogar hinderlich werden dauerhaft auf 120 Prozent zu laufen. Das Gefühl von Anerkennung und Wertschätzung bringt sehr häufig die Work-Life-Balance ins Schwanken. Darunter leiden neben den Arbeitskolleg*innen auch die eigenen Mitmenschen, wie Familie und Freunde. Burn-out ist häufig die Ursache dieses Verhalten. Burn-out ist und bleibt ein aktuelles Thema, denn in Österreich leben etwa 500.000 Menschen, die darunter leiden. Durch Prävention kann der Mensch lernen, damit umzugehen und vorzubeugen.


Aber wie erkenne ich, dass ich ein Perfektionist bin oder zu perfektionistischem Handeln neige?

Nun, gute Frage. Eines der wichtigsten Merkmale ist, dass du dich für deine Misserfolge verurteilst, egal wie klein sie auch sein mögen. Wahrscheinlich hast du Angst davor, nicht gut genug zu sein und ein geringes Selbstwertgefühl. Man setzt seine eigenen Ansprüche sehr hohe Standards aus, dass bereits im Vorfeld ein Druck entsteht. Außerdem hältst du dich für faul, denn für die Aufgaben, die du erledigen solltest, brauchst du länger als deine Kolleg*innen. Im schlimmsten Fall kannst du Aufgaben gar nicht beenden und dein eigener Perfektionismus steht dir im Weg. Denn Projekte, ob im privaten oder beruflichen Umfeld, werden auf Grund möglicher kleiner Fehler nie abgeschlossen, was oft zu negativen Folgen führt.

Ein weiteres Warnzeichen ist es, wenn du dich selbst ausbeutest. Du gehst dann regelmäßig bis an deine eigene Belastungsgrenze und ja, oft auch darüber hinaus. Du forderst immer mehr Leistung von dir selber. Hinzu kommt, dass du vielleicht sogar versuchst, menschliche Bedürfnisse und Gefühle zu ignorieren und zu unterdrücken. Beispielsweise lässt du Mahlzeiten ausfallen oder weigerst dich, zu schlafen, bevor nicht das letzte Detail deiner Präsentation perfekt ausgefeilt ist.
 

Des Weiteren verträgst du als Perfektionist*in keine Kritik und du nimmst negatives Feedback persönlich. Kein Wunder: Dein Selbstwertgefühl hängt ja auch davon ab, dass du immer erfolgreich bist und immer bessere Leistungen erzielst. Und wenn dich jemand kritisiert, dann kannst du das ja offensichtlich nicht, oder?

Wahrscheinlich hast du auch schon mal gehört, dass du nicht teamfähig bist, denn du verlangst von deinen Kolleg*innen, das selbe perfektionistische Streben. Eigentlich würdest du am liebsten alles selbst in die Hand nehmen, denn nur so kannst du sicherstellen, dass wirklich alles so gemacht wird, wie du es willst und deinen hohen Ansprüchen genügt. Manchmal neigst du sogar zu Kontrollwahn, was die Zusammenarbeit mit dir noch weiter erschwert. Außerdem verbesserst du andere sofort, wenn sie einen Fehler machen. Ist zwar lieb gemeint, kann aber auf Dauer ziemlich nerven und andere Menschen verletzen.

Als Perfektionist*in tust du meistens mehr, als unbedingt nötig wäre, um eine Aufgabe zu erledigen. Zum Beispiel beginnst du schon zwei Monate vor einer Prüfung, darauf zu lernen, auch wenn eigentlich auch ein Monat reichen würde. Aber der innere Ehrgeiz, die Angst vor dem Versagen und Fehlern treiben dich an.


Perfektionismus macht krank

Perfektionismus macht krank

Wie du vielleicht schon an den Warnzeichen erahnen kannst, ist dieses Streben nicht unbedingt gesund. Und mit dieser Einschätzung liegst du richtig. Dieser krankhafte Drang hat Einfluss auf deinen Körper und deine Seele und kann langfristig zu großen Problemen führen.

Wenn du zu diesem Verhalten neigst, mutest du dir selbst großen dauerhaften Stress zu. Als Perfektionist*in kannst du auch schneller zum Burn-out tendierst, zu chronischen Erschöpfungszuständen und zu Überforderung und Frustration oder auch zu Depressionen, Zwangsstörungen oder Schlafstörungen. Auch Ängste, allen voran Versagensängste können eine Folge von Perfektionismus sein. Ebenso kann es zu Schuldgefühlen oder zu Selbsthass kommen. Was dich als Mensch kaputt macht.

Auf körperlicher Ebene kann es zu Kopfschmerzen kommen, zu Herzleiden, Bluthochdruck, Magengeschwüren, Stoffwechselstörungen, zu einem Tinnitus oder auch zu Zähneknirschen.


Was du gegen zwanghaften Perfektionismus tun kannst

Keine Angst: dieses übergenau, sorgfältige, minutiöse Verhalten ist nichts, das du einfach so hinnehmen musst. Wenn du ein Perfektionist bist, kannst du auch dagegen vorgehen und so den selbst auferlegten Stress senken. Allerdings lässt sich Perfektionismus nicht durch Schlampigkeit, Unzuverlässigkeit oder Mittelmäßigkeit bekämpfen. Gib weiterhin dein Bestes, aber pass auf, dass du dich nicht selbst ausbrennst. Fehler sind menschlich und kommen vor und du musst nur lernen, damit umzugehen.

Mach dir klar, dass Perfektion vollkommen subjektiv ist. Das siehst du beispielsweise, wenn du mit Freund*innen über Filme redest. Ein Film, den du für großartig hältst, muss nicht unbedingt deinem Gegenüber gefallen. Und selbst wenn: Dann liegt es in ihrer Natur, unerreichbar zu sein. Als Perfektionist*in musst du lernen Fehler und Meinungen von anderen Menschen zu akzeptieren.

Versuche, das große Ganze im Blick zu behalten. Was nützt es dir, eine perfekte Einleitung geschrieben zu haben, wenn dir dann die Zeit für den weiteren Text fehlt und du einen schlecht geschriebenen Bericht abgeben musst? Setze dir realistische Ziele und versuche diese immer im Blick zu behalten. Setze deine Perfektion dann zu 100% ein, wenn es auch Sinn macht, dafür kannst du dich da vollkommen ausleben und austoben.

Lerne, besser mit Kritik und Fehlern umzugehen. Kritik ist nicht unbedingt etwas Schlechtes und nicht automatisch ein Angriff auf dich als Person. Nimm Kritik ernst, aber lass dich davon nicht unterkriegen.

Denke daran, dass es keine Schwäche des Menschen ist, auch einmal um Hilfe zu bitten. Im Gegenteil: Um Hilfe zu fragen, ist sogar ein Zeichen von Größe und kann dir als Perfektionist helfen.

Wende das Pareto-Prinzip an

Ein Perfektionist versucht jede anstehende Aufgabe immer zu 100% zu erledigen.

Perfektionismus – das Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip, oft auch als 80-zu-20-Regel bezeichnet, besagt, dass 80% der Ergebnisse in 20% der Gesamtzeit des zu erledigenden Projektes erreicht werden. In puncto Zeitmanagement und Produktivität ist dieses Prinzip Gang und Gebe. Kleiner Einsatz - große Wirkung: auf genau dieses Ziel setzt dieses Prinzip an. Egal, wie sehr man sich anstrengt, es sind nicht die 100% Leistung ausschlaggebend für die 100% des Erfolges.


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Alles probiert?

Wenn dir dein Perfektionismus trotz aller Tipps weiterhin Probleme bereitet, solltest du dir überlegen, ob du dir nicht vielleicht professionelle Hilfe holen solltest. Auch das ist kein Zeichen von Schwäche und nichts Negatives, sondern dein Startschuss zu einem entspannteren Umgang mit Aufgaben und deinen hohen Ansprüchen. Eine Therapie kann dir dabei helfen, deinen Alltag und Arbeitsleben als Mensch wieder mit mehr Freude zu erleben, da der Druck nicht ganz so hoch ist. So kannst du deine perfektionistischen Ansprüche auf ein gesundes Maß reduzieren und damit stressfreier durchs Leben gehen. Viel Erfolg dabei!

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