Arbeit als Job, Karriere oder Berufung?

Spricht man mit verschiedenen Personen über ihr Berufsleben, ist es ziemlich offensichtlich, wie unterschiedlich Menschen zu ihrer Arbeit stehen. Während einige Personen mit strahlenden Augen von ihrem Beruf berichten und am liebsten gar nicht mehr aufhören würden davon zu schwärmen, erklären andere kurz und bündig, neutral und ohne viel Enthusiasmus, was ihre Aufgaben sind. Intuitiv wird schnell klar, dass es bezüglich der Einstellung zur Arbeit große Unterschiede zwischen den einzelnen Personen gibt. Für manche ist der Job lediglich eine Gelegenheit, um Geld zu verdienen und für andere ist die Arbeit im Gegensatz dazu quasi ein Teil ihrer Identität und viel mehr als reines Mittel zum Zweck. Wie ist das bei dir? Wir helfen dir mit diesem Beitrag deinen Job einzuordnen, um erfolgreich in deine berufliche Zukunft blicken zu können. Denn wie wir wissen, machen wir das gut, was wir gerne tun. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Arbeit als Job, Karriere oder Berufung?

Begriffserklärung Job, Arbeit, Karriere und Berufung

Auch in der Wissenschaft werden immer wieder verschiedene Einstellungen zur Arbeit unterschieden. Häufig werden dabei drei Arten aufgeführt: Man sieht seinen Beruf entweder

  • als Job,
  • als Arbeit,
  • als Karriere oder
  • als Berufung

Doch was ist nun was? Und macht das Ganze überhaupt für einen Unterschied?
Grundsätzlich haben tatsächlich alle vier Bezeichnungen die gleiche Deutung und können für ein und dasselbe eingesetzt werden. Prinzipiell ist die eigene Einstellung zum Job ausschlaggebend für das zu verwendende Wording. Aber Details zu den einzelnen Synonymen erklären wir dir weiter unten:

  • DER JOB: Menschen, die ihren Beruf als Job sehen, machen ihre Arbeit meist einzig aus der Motivation heraus, Geld zu verdienen.
  • DIE ARBEIT: wird als unliebsame, aber notwendige Aufgabe gesehen, die man erledigen muss, um die Zeit außerhalb des Berufs genießen zu können.
  • DIE KARRIERE: Leistungsorientiertere Personen empfinden ihre Arbeit häufig eher als Karriere.
  • DIE BERUFUNG: Ein voll erfüllter Job wird gerne als Berufung bezeichnet und sowieso nicht als Arbeit gesehen. Das geht schon fast in eine Art „auserwählt“ sein über.

Der Job

Der Job ist wohl die gängigste Bezeichnung für unsere Tätigkeit. Nach einer kurzen Strichprobe über GOOGLE TRENDS hat der „Job“ in Italien mit rund 80 % (Stand Mai 2021) gegenüber den anderen Stichwörtern klar die Nase vorne, was die Suchhäufigkeit betrifft. Ebenfalls im Bereich der Jobsuchenden liegt es klar auf der Hand, dass nicht etwa nach einer Karriere oder einer Berufung gesucht wird, denn dazu kommt es meist im Laufe der Zeit und nach Antritt einer neuen beruflichen Herausforderung.

Die Arbeit

Wird der Berufsalltag als eine Arbeit bezeichnet, schleicht ein Pflichtbewusstsein mit. Ohnehin wird das Wort Arbeit mit einer Last der einem Zwang verbunden. Abgesehen davon ist diese Bezeichnung in der Baubranche eine gängige Bezeichnung, etwa Jobs mit körperlicher Anstrengung oder Tätigkeitsfelder.

Die Karriere

Der Grund, aus dem manche arbeiten, ist nicht nur Geld zu verdienen. Stattdessen wollen sie noch mehr erreichen, sie wollen sich verbessern, hocharbeiten und so eine bessere Position in der Berufswelt erlangen. Sie möchten also keinesfalls in ihrer jetzigen Position bleiben, sondern sehen ihre derzeitige Stelle viel eher als ein Sprungbrett für die Karriereleiter.

Die Berufung

Die dritte Gruppe bilden jene Arbeiter*innen, die in ihrem Beruf eine Berufung sehen. Das Wort Berufung wurde früher vor allem im religiösen Kontext verwendet. So wurden Propheten zum Beispiel von Gott berufen, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Es war also nicht ihre eigene Entscheidung, sondern eine höhere Macht hat sie als geeignet erkannt und demnach dazu auserwählt, diesen Auftrag zu erfüllen. Dementsprechend haben auch Personen, die ihre Arbeit als Berufung sehen, das Gefühl, dass sie wie gemacht für ihren Beruf sind und mit Herz und Seele dabei sind. Ihnen ist es ein persönliches Anliegen und ein Wunsch, diese Arbeit auszuführen, sie identifizieren sich mit ihrer Arbeit und sehen sie als einen Teil ihrer Selbst.


Auswirkungen von Jobs und Berufungen

Doch was für einen Unterschied macht es überhaupt, ob man seinen Beruf nun als Berufung oder lediglich als Job sieht? Die offensichtlichste Auswirkung ist natürlich wie gern bzw. ungern man in die Arbeit geht. Während Leute, die ihren Beruf als Berufung sehen, sich freuen ihrer Arbeit nachzugehen, wird es Menschen, für die ihre Arbeit lediglich ein Job ist, wohl deutlich mehr Überwindung kosten, jeden Morgen aufzustehen und sich für den anstehenden Arbeitstag vorzubereiten. Doch Forscher*innen haben bei einer Studie noch weitere Effekte finden können. So konnten sie feststellen, dass Personen, die sich berufen fühlen, deutlich weniger Arbeitstage fehlen, als Menschen, für die die Arbeit ein Job oder eine Karriere ist. Außerdem sind Angestellte, die ihre Arbeit als Berufung wahrnehmen, zufriedener, sowohl mit ihrem Beruf als auch mit ihrem Leben allgemein.


Als was bezeichne ich meinen Job?

Aber woher weiß man, was für ein Typ man selbst ist? In der oben erwähnten Studie wurde festgestellt, dass sich Arbeiter*innen relativ leicht selbst der passenden Gruppe zuordnen können. Dafür wurden die Teilnehmer*innen darum gebeten, sich drei Texte durchzulesen, in denen die verschiedenen Einstellungen zur Arbeit geschildert wurden. Anschließend sollten sie bewerten, wie sehr sie den Aussagen, bezogen auf ihre eigene Arbeitsstelle, zustimmen würden. Dies sind übersetzte Ausschnitte aus den verwendeten Beschreibungen (Wrzesniewksi, A., McCauley, C., Rozin, P. & Schwartz, B. 1997):

  • Job: Herr A. arbeitet hauptsächlich, um genug Geld zu verdienen, damit er sein Leben außerhalb der Arbeit finanzieren kann. Wäre er finanziell anderweitig abgesichert, würde er nicht länger in seiner jetzigen Stelle arbeiten, sondern stattdessen etwas anderes tun.
  • Karriere: Frau B. hat eigentlich Spaß an seiner Arbeit, aber in 5 Jahren möchte er nicht mehr die gleiche Stelle innehaben. Stattdessen ist es sein Ziel, sich in Richtung eines höheren, besseren Jobs weiterzuentwickeln.
  • Berufung: Herr C.s Arbeit ist einer der wichtigsten Bereiche seines Lebens. Er ist sehr glücklich, dass er in diesem Feld arbeitet. Weil sein Beruf ein entscheidender Teil seiner Persönlichkeit ist, ist er eines der ersten Dinge, die er erwähnt, wenn er von sich selbst erzählt.

Ob du dich am ehesten mit Herrn A., Frau B. oder Herrn C. identifizierst, kann ein Hinweis darauf sein, ob du deine Arbeitsstelle als Job, Karriere oder Berufung wahrnimmst.

EIN GUTES BEISPIEL: Welche Redewendung verwendest du bei der Quizfrage bezüglich Optimisten oder Pessimisten?

  • Ist das Glas halbvoll, oder
  • ist das Glas halbleer?

Grundsätzlich wie bei den Jobbezeichnungen ergeben beide Aussagen die gleiche Bedeutung. Allerdings steckt ein Haufen Persönlichkeit hinter der Antwort: Halbvoll spricht für eine optimistische Art, während die halbleere Bezeichnung eher von Pessimisten verwendet werden. Na, haben wir dich jetzt ertappt? Vielleicht musst du deine (wirkliche) Berufung nochmals überdenken und dir ausmalen, ob du auf dem richtigen Weg bist. Verfolgst du deine Karriereziele und wie weit bist du davon entfernt? Ist dein Job eine Berufung, würdest du dir über derartige Fragen beispielsweise niemals Gedanken machen.

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UNSER FAZIT FÜR DICH

Die positivste Einstellung zum eigenen Job hat man natürlich, wenn man die Bezeichnung Berufung verwendet. Dann ist nämlich klar, dass die Arbeit weder mit Anstrengung zu tun hat, noch mit einem negativen Pflichtbewusstsein verbunden ist.

Wir wünschen an dieser Stelle ganz viel Spaß beim Grübeln und vielleicht auch beim Finden deiner Berufung!

Blogbeitrag von Laura Obergruber

Quelle: Die Originaltexte: Wrzesniewksi, A., McCauley, C., Rozin, P. & Schwartz, B. (1997). Jobs, Careers, and Callings: People’s Relations to Their Work. Journal of Research in Personality, 31, 21-33.

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