Kategorie: Arbeitswelt | Lesedauer: 06 min | aktualisiert am 20. April 2026
Zielgruppe: Arbeitgeber:innen & Arbeitnehmer:innen
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Zuallererst: Tiere sind nicht für jede berufliche Umgebung ideal. Arztpraxen, Kosmetiksalons und Restaurants beispielsweise haben besonders strenge Hygienevorschriften, die die Haltung eines Tieres nicht ermöglichen. Ruhige Arbeitsplätze, wie Büroräume, eignen sich hingegen sehr gut für tierische Kollegen. Natürlich muss es mit dem Arbeitgeber sowie den Kolleg:innen abgesprochen sein, bevor ein Tier mit ins Büro kommt. Auf eventuell bestehende Tierhaarallergien oder die Angst vor Tieren muss Rücksicht genommen werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte eine schriftliche Einverständniserklärung von allen Betroffenen eingeholt werden. Es sollte aber auch immer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere genommen werden, eine artgerechte Haltung ist Pflicht!
Hunde, die bellen, beißen nicht – WIRKLICH?
Dieses bekannte Sprichwort trifft leider nicht immer zu. Damit ein Hund im Büro keine Probleme verursacht, muss er gut erzogen und sozialisiert, gepflegt sowie gesund sein. Ein Bettchen, Futter und Trinkwasser müssen immer bereitstehen, auch das ein oder andere Spielzeug wird dem vierbeinigen Kollegen eine große Freude bereiten.
Über Nacht sollten Hunde keinesfalls allein am Arbeitsplatz bleiben. Sie sind sehr gesellige Tiere und wollen auch in der Nacht nicht allein eingesperrt sein. Denn gerade dann, fällt ihnen meistens jede Menge Blödsinn an. Elektronische Geräte, Steckdosen und viele Anschlüsse stellen für die gelangweilten Tiere lebensbedrohliche Gefahren dar.
Hundebesitzer:innen haben gerne ihren vierbeinigen besten Freund um sich. Allerdings gilt es zu beachten, dass nicht jeder Mensch die Möglichkeit, seinen tierischen Begleiter mit zur Arbeit zu bringen und es gibt dafür auch keinen Rechtsanspruch (außer bei Therapie- oder Blindenhunden), gerade in einem Büro bietet es sich aber an. Es gibt auch Hunde die nicht fürs Büro geeignet sind und die Ruhe zu Hause mehr schätzen.
Die tierische Eingewöhnungsphase am Arbeitsplatz
Willst du deinen Hund mit zur Arbeit nehmen und hast du bereits alle Formalitäten geklärt, solltest du ihn zunächst an einem ruhigen Tag langsam an deinen Arbeitsplatz und die Kolleg:innen gewöhnen. Unbekannte Räumlichkeiten mit ebenfalls fremden Personen kann für ein Tier ein großer Stressfaktor bedeuten. Dabei stellt sich die Frage, kennst du dein Tier in derartige Situationen überhaupt? Unsere vierbeinigen Begleiter sind und bleiben unberechenbar, das sollte man nie vergessen und sich immer wieder vor Augen führen. Den Impfpass deines Lieblings solltest du auch immer mit dabeihaben. Das Gassigehen in den Pausen ist nicht nur gut für deinen Hund, sondern auch für dich, denn die frische Luft und die Bewegung hält dich fit. Außerdem kannst du auch deine Kolleg:innen mitnehmen und so den Zusammenhalt in eurem Team stärken!
Das Unternehmen Purina ist nicht nur im Bereich Tierfutterherstellung Vorreiter, sondern auch wenn es darum geht, unsere vierbeinigen Freunde am Arbeitsplatz zu integrieren. Zahlreiche Mitarbeiter nehmen ihre Hunde mit zur Arbeit und verbringen die Mittagspause mit ihnen im hauseigenen Agility-Park. Auf ihrer Website www.purina.at findest du unter dem Punkt „Über uns“ außerdem zahlreiche weitere Tipps, wie das Zusammenleben mit Tieren am Arbeitsplatz noch besser funktioniert.
Checkliste für den Bürohund:
- Ständige Bereitstellung von Wasser, (Futter) und sein fixer Platz.
- Langsame Eingewöhnungsphase mit bekanntem Stofftier (bekannter Geruch)
- Anfangs sollte das Tier nicht allein gelassen werden. (Bis er sich zumindest auch im Büro zu Hause fühlt und genau weiß, wo sich sein Platz befindet.)
- Der Impfpass sollte fixer Bestandteil sein.
- Regelmäßiges Gassigehen darf nicht vergessen oder vernachlässigt werden. (Packe deine Kolleg:innen mit ein und stärkt die Teambildung.)
Kein Katzenjammer
Auch Katzen bleiben nicht gerne den ganzen Tag allein zu Hause, während ihr Besitzer arbeitet. Eine Katze ins Büro mitzunehmen, verursacht aber zu viel Stress bei den sensiblen Vierbeinern. Katzen mögen Autofahrten nicht und sie gewöhnen sich meist nur schwer an neue Umgebungen. Besser ist es, die Katze direkt im Büro zu halten, wo sie den ganzen Tag Ansprechpartner hat. Eine Katze allein zu halten, ist aber weder zu Hause noch im Büro ratsam. Die Stubentiger fühlen sich zu zweit einfach wohler. Bei der Auswahl der Bürokatze sollte auf eine Katzenart zurückgegriffen werden, die phlegmatisch und nicht allzu aktiv ist. Katzenkiste, Futter, Trinken, (mindestens) ein Kratzbaum und Spielsachen sind Pflichtausstattung. Ebenso erforderlich sind Mitarbeiter:innen, die fix eingeteilt sind, sich um das Wohlbefinden der Miezen zu kümmern. Werden Katzen im Büro gehalten, sollten sie genügend Platz haben, um umherzustreifen, so wie es auch eine ruhige Rückzugsmöglichkeit für sie braucht.
Ein interessantes Unternehmen ist in diesem Zusammenhang „Poopy Cats“ aus den Niederlanden. Sie stellen Heimtierbedarf und darunter unter anderem Katzentoiletten her. Dort dürfen die Katzen nicht nur mit ins Büro, sie fungieren dort auch gleichzeitig als „Testpersonen“ für die neuen Produkte und sind so überaus nützliche Mitarbeiter.
Viel Freude, wenig Aufwand
Ins Büro soll ein tierischer Mitarbeiter einziehen, der möglichst wenig Arbeit verursacht? Nager und Fische eignen sich dafür perfekt. Hamster beispielsweise sind klein und nachtaktiv. Mit einem gut ausgestatteten Käfig, Futter und Trinken sind sie zufrieden, denn sie verschlafen selbst den stressigen Büroalltag. In der Nacht drehen sie dann ihre Runden im Hamsterrad. Auch Fische stellen geringe Ansprüche an ihre Halter und bringen dennoch etwas Farbe und Leben ins Office.
Selbstverständlich braucht es immer einen Verantwortlichen, der sich um die tierischen Arbeitskollegen kümmert, sie regelmäßig füttert und ihre Gesundheit im Auge behält. Diese Aufgaben können auch auf mehrere Mitarbeiter:innen aufgeteilt werden. Kleinere Tiere wie Hamster und Mäuse können ohne Probleme über Nacht im Käfig im Büro übernachten, ebenso wie die Fische in ihrem Aquarium.
Gibt es Nachteile mit tierischen Arbeitskollegen?
Wie so alles, bringen natürlich auch die Tiere im Büro seinen Schatten mit. Generell hat man unter Arbeitskolleg:innen mit Neid zu kämpfen. So bringt der eine Mitarbeiter seinen Hund mit, so möchte der andere ebenfalls für sein Haustier sorgen. Es wird Arbeitszeit in das Tier gesteckt, es werden vermehrt Pausen (Gassigehen) eingelegt, während andere das Tagesgeschäft alleine abarbeiten müssen. Ein Tier am Arbeitsplatz erfordert also ein sehr gutes Arbeitsklima, dass die tierische Angelegenheit auch von allen ehrlich akzeptiert wird und sich auch nicht ins Negative wandelt.
Wer haftet, wenn der Bürohund beißt?
Eine Frage, die sich viele Tierhalter:innen nicht stellen – bis es zu spät ist: Was passiert, wenn der Hund im Büro einen Kollegen, eine Kundin oder einen Besucher verletzt? In Italien gilt laut Art. 2052 des Codice Civile eine verschuldensunabhängige Haftung des Tierhalters. Das bedeutet: Wer ein Tier hält – und sei es nur vorübergehend im Büro – haftet grundsätzlich für alle Schäden, die es verursacht, auch wenn kein eigenes Verschulden vorliegt.
Deshalb sollte vor dem ersten Arbeitstag mit Hund unbedingt geklärt werden, ob die private Haftpflichtversicherung des Tierhalters auch am Arbeitsplatz greift – oder ob zusätzlicher Versicherungsschutz notwendig ist. Manche Versicherungen decken Schäden durch Haustiere nur im privaten Umfeld ab. Ein kurzes Gespräch mit dem Versicherungsberater kann hier sehr viel Stress und Kosten ersparen.
Kurz zusammengefasst: Haftung & Versicherung
- Nach Art. 2052 Codice Civile haftet der Tierhalter für Schäden, die das Tier verursacht – unabhängig von eigenem Verschulden.
- Private Haftpflichtversicherung vorab prüfen: Gilt der Schutz auch am Arbeitsplatz?
- Arbeitgeber:innen sollten in der betrieblichen Pet-Policy festhalten, wer im Schadensfall haftet.
- Im Zweifel einen Versicherungsberater hinzuziehen – besonders bei großen oder kampferprobten Hunderassen.
Bürohund im Homeoffice – was beim hybriden Arbeiten gilt
Seit sich hybride Arbeitsmodelle fest etabliert haben, stellt sich eine neue Frage: Was gilt eigentlich, wenn Mitarbeiter:innen ihren Hund an Homeoffice-Tagen gewohnt sind, und an Präsenztagen plötzlich ins Büro kommen – mit oder ohne Tier? Das Homeoffice ist in Italien durch das Gesetz Nr. 81/2017 zum „lavoro agile“ geregelt, das dem Arbeitgeber ermöglicht, die Bedingungen des Smart Working im Rahmen einer individuellen Vereinbarung festzulegen. Ob und unter welchen Umständen ein Tier in der Heimarbeit erlaubt ist, liegt somit im Ermessen der Vereinbarung zwischen Arbeitgeber:in und Mitarbeiter:in.
Praktisch bedeutet das: Wer seinen Hund an Homeoffice-Tagen bei der Arbeit hat, sollte sicherstellen, dass dieser auch an Präsenztagen problemlos allein oder anderweitig versorgt werden kann. Eine gute Vorbereitung auf beide Szenarien – zuhause und im Büro – ist für das Wohlbefinden des Tieres ebenso wichtig wie für einen reibungslosen Arbeitsalltag.
Pet-friendly als Employer-Branding-Argument
Ein Hund im Büro ist längst mehr als nur ein süßes Goodie für tierliebende Mitarbeiter:innen. Immer mehr Unternehmen in Südtirol und im deutschsprachigen Raum setzen bewusst auf eine pet-friendly Unternehmenskultur als Teil ihres Employer Brandings – also der Strategie, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Gerade für jüngere Fachkräfte, für die das Wohlbefinden am Arbeitsplatz einen hohen Stellenwert hat, kann die Erlaubnis, den eigenen Hund mitzubringen, ein echtes Argument bei der Jobwahl sein.
In Zeiten des Fachkräftemangels – der auch den Südtiroler Arbeitsmarkt stark betrifft – lohnt es sich für Betriebe, diese Möglichkeit aktiv nach außen zu kommunizieren: in Stellenanzeigen, auf der Unternehmenswebsite oder in den sozialen Medien. Ein Foto des Bürohunds auf Instagram sagt manchmal mehr über die Unternehmenskultur als jeder Benefits-Katalog.
So kommunizierst du deine Pet-Policy nach außen:
- Erwähne die Hundefreundlichkeit direkt in Stellenanzeigen – das zieht die passende Zielgruppe an.
- Zeige echte Einblicke in deinen Büroalltag mit Tieren auf Social Media.
- Füge das Thema in die „Benefits“-Sektion deines Firmenprofils auf Südtirolerjobs.it ein.
- Nutze Bewerbungsgespräche, um aktiv über die Unternehmenskultur – inkl. Bürohund – zu sprechen.
Checkliste für Arbeitgeber:innen: Eine Pet-Policy einführen
Wer als Unternehmen Tiere am Arbeitsplatz erlauben möchte, tut gut daran, klare Regeln von Anfang an schriftlich festzuhalten. Eine sogenannte Pet-Policy – also eine betriebliche Vereinbarung zum Umgang mit Tieren im Büro – schützt alle Beteiligten: Tierbesitzer:innen, Kolleg:innen ohne Tiere und das Unternehmen selbst.
Checkliste für Arbeitgeber:innen:
- Schriftliche Einverständniserklärungen aller Mitarbeiter:innen einholen – inklusive Angaben zu Allergien oder Angst vor Tieren.
- Haftungsregelung klar definieren: Wer haftet bei Sachschäden oder Körperverletzung durch das Tier? Nachweis einer gültigen Tierhalterhaftpflicht des/der Mitarbeiter:in verlangen.
- Hygienestandards festlegen: Reinigungsintervalle, erlaubte Bereiche (z. B. kein Zutritt zu Küche, Besprechungsraum bei externen Terminen).
- Eignungskriterien fürs Tier definieren: Impfpass aktuell, Verhaltensnachweis (z. B. Begleithundeprüfung), Gesundheitszeugnis.
- Eskalationsplan festhalten: Was passiert, wenn ein Tier Probleme verursacht oder ein Kollege eine allergische Reaktion zeigt?
- Probezeit einführen: Erst testen, dann dauerhaft erlauben – so können alle Seiten die Situation realistisch einschätzen.
UNSER FAZIT FÜR DICH
Sind der Vorgesetzte und alle Kolleg:innen einverstanden und ist das Büro richtig eingerichtet, bringen Bürotiere einen echten Mehrwert für jeden Arbeitsplatz. Sie strahlen Gelassenheit aus, bieten Gesprächsthemen und Abwechslung. Aber wie erwähnt, bedenke die Nachteile und verursache keine Ungerechtigkeit innerhalb deines Teams, denn das könnte sich mit der Zeit negativ auf dich auswirken. Beziehe also als Haustierbesitzer deine Kolleg:innen regelmäßig mit ein und frag sie um Begleitung, wenn du dich kurzfristig um einen Gassigang kümmerst. Schlussendlich ist doch jeder mal froh, für 10 Minuten frische Luft zu schnappen.